Rezension: „Der Herr des Wüstenplaneten“ von Frank Herbert

In diesem zweiten Band des „Wüstenplanet-Zyklus‘“ wird die Geschichte des Wüstenplaneten und des Hauses Atreides fortgesponnen. Im Zentrum steht dabei das Scheitern des im ersten Band überragenden Helden Paul „Muad’dib“ Atreides als Herrscher des Wüstenplaneten und Imperator des Universums. Er wandelt sich vom Helden zum Antihelden. Das ist zunächst unerwartet, vielleicht auch verstörend, am Ende liegt aber genau darin der eigentliche Wert: Die Geschichte entgeht der Trivialität.

Wissenschaft und Technologie haben in diesem Band einen höheren Stellenwert, als im Vorgängerroman „Der Wüstenplanet“. Da ist zumindest einmal von „ixianischer Technologie“ zu lesen, man hört von künstlichen Augen, erfährt von raffinierten Waffen, nimmt erstaunt zur Kenntnis, dass künstliche Lebewesen mit beinahe beliebigen Eigenschaften erschaffen werden können … Das wird echte Science Fiction Fans jedenfalls ansprechen. Es ist zwar nicht der Kern der Geschichte, spielt aber im Ablauf eine gewichtige Rolle.

Zum Inhalt: Nach dem furiosen Finale in Band 1 und dem totalen Triumph über die Feinde (die Häuser Harkonnen und Corrino) gebietet nun Paul „Muad’dib“ Atreides über den Wüstenplaneten als absolutistischer Herrscher. Die Abhängigkeit des gesamten von Menschen besiedelten Universums vom dem nur auf Arrakis (dem Wüstenplaneten) gedeihenden „Gewürz“ bringt es mit sich, dass er damit auch die Rolle des universalen Imperators in sich vereint. Eigentlich könnte man meinen, damit sei für Paul und die Atreides alles zum Besten bestellt.- Doch Paul leidet an der Zwiespältigkeit der Macht, an der Gewalt, die mit ihr einher geht, an seiner Verstrickung in den Djihad („Heiliger Krieg“), den seine Machtübernahme nach dem Sieg über die Feinde ausgelöst und der milliardenfachen Tod über die Menschen gebracht hat. Wie Goethes Zauberlehrling erkennt er: „Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht (mehr) los“. Er leidet an seiner Schuld so sehr, dass er nicht in der Lage ist, eine wirksame Friedensordnung zu gestalten, obwohl er sich doch im Innersten dem Frieden verpflichtet fühlt.

Und natürlich gibt es auch Feinde und eine große Schar Unzufriedener. Die Feinde (die altbekannten Bene Gesserit, auch die Raumfahrergilde, neu hinzugekommen die Bene Tleilax) formieren sich und planen eine Intrige, um den Imperator vom Thron zu stoßen. Wieder einmal spielen die Fremen eine wichtige Rolle, und zwar auf beiden Seiten. Keine wirkliche Bedrohung für Paul „Muad’dib“ Atreides könnte man meinen, kann er doch, wie aus Band 1 bekannt, „in die die Zukunft schauen“. Er hat Zukunftsvisionen und weiß daher, was geschehen wird, kann sich darauf vorbereiten und entsprechend pro-agieren. – Nein, so einfach ist das leider nicht.

Der ganze Roman handelt von der Verschwörung, wie sie Schritt für Schritt konzipiert und umgesetzt wird. Wie sie nach und nach erahnt und erkannt wird. Wie der Komplott am Ende scheitert und dennoch gelingt. Wie der Held Paul „Muad’dib“ Atreides am Ende siegt und dennoch scheitert und als Antiheld endet. Man erlebt seine inneren Kämpfe, man ahnt, wie ihn seine Visionen quälen, und wie sie ihm in ihrer Fülle und Vielgestaltigkeit trotzdem keinen neuen Handlungsoptionen geben und letztlich lähmen. Das Innere des Helden wird seziert, seine Demontage wird mit fast schon zerstörerischer Lust zelebriert.

Paul „Muad’dib“ Atreides ist ein verzweifelter Held, das macht ihn menschlich. Zugleich ist er ein Übermensch und deshalb kennt auch seine Verzweiflung keine menschlichen Grenzen, das macht ihn zum Antihelden.

   

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